Montag, 10 Dezember 2018 08:14

Das Reichweitenproblem wird bald gelöst sein

Einen Elektro-Roller der Gemeinde Heuchelheim präsentieren (v. l.) Jürgen Engelhardt, Referent Wolfgang Zientz, Lars Burkhard Steinz und Manfred Ehlers. (Foto: pm) Einen Elektro-Roller der Gemeinde Heuchelheim präsentieren (v. l.) Jürgen Engelhardt, Referent Wolfgang Zientz, Lars Burkhard Steinz und Manfred Ehlers. (Foto: pm)

Über Hybridantriebe, Vollelektroautos, Lade-Infrastrukturen, Kosten, aber auch über Erfahrungen mit E-Autos referierte Dr. Wolfgang Zientz im Energieeffizienz-Forum (HENEF). Zientz war über zwei Jahrzehnte in der Automobilindustrie tätig, begleitete führende Funktionen im VDI Hessen und ist Geschäftsführer der Deutschen Ingenieure GmbH. Zu Beginn begrüßte Jürgen Engelhardt vom HENEF die Gäste im vollbesetzten Sitzungssaal.

Die knappen Ressourcen beim Erdöl und Gas und vor allem die globale Erwärmung der Erde sprächen für die E-Mobilität,

insbesondere für reine Elektroautos. Der CO2-Eintrag von Verbrennungsvorgängen führe zu den bekannten Klimaerwärmungen und Wetteränderungen mit immensen Schadensfolgen. Regelrecht erschütternd sei, dass man heute genauso viel CO2 freisetze wie 1990. »Wegen stärkerer Motoren und großer SUVs, die fast niemand braucht, kommen wir nicht runter«, sagte Zientz. Die Ziele des Pariser Klimaabkommens könne man nur mit regenerativen Energien sowie Elektrifizierung der energieintensiven Sektoren Wärme, Verkehr und Industrie erreichen. Der Hybrid-Antrieb sei nur für eine Übergangszeit sinnvoll. Der entscheidende Durchbruch komme mit dem reinen Elektroauto. Der Blick auf heutige Hersteller und Märkte sei zwar noch ernüchternd, aber die Zulassungen stiegen erfreulich an. China sei mit deutlichem Abstand der größte Markt, gefolgt von den USA. Europa sei recht weit abgeschlagen. Interessant sei, dass der Verkaufsanteil von E-Fahrzeugen in Norwegen auch wegen staatlicher Subventionierungen schon bei 37 Prozent liegt. In Shenzhen, eine Millionenstadt in China und zugleich die wohl am schnellsten wachsende Stadt der Welt, seien bereits etwa 16 000 reine Elektrobusse im Einsatz. Damit würde die Luftverschmutzung wirksam reduziert. »In Deutschland sind wir in dieser Hinsicht erst ganz am Anfang«, so der Fachmann.

13 000 Ladestationen
Das Aufladen eines E-Autos finde in verschiedenen Betriebsmodi von der Ladebox zu Hause über Ladepunkte beim Arbeitgeber oder an öffentlichen Ladestationen statt. Die kürzeste Ladezeit von 15 Minuten erreiche ein 350 Kilowatt-Schnelllader oder ein »Super-Charger« von Tesla – quasi eine Kaffeepause. Zur Frage, ob man sich ein E-Auto leisten könne, verwies der Referent auf die fallenden Preise von Batteriezellen. »Parallel mit der Serienproduktion fallen die Preise der Zellen. Denn der Zellenfertigungsprozess wird weiter optimiert und die Autohersteller spielen ihre Marktmacht aus.«
Der Landkreis Gießen trägt über das Projekt EMOLA (Elektromobilität oberes Lahnregion) zum Ausbau der Lade-Infrastruktur bei. Derzeit gebe es 70 Ladepunkte, die zur Hälfte im öffentlichen Besitz seien. In ganz Deutschland seien es inzwischen 13 000.
Massiv unterschätzt werde der Anteil an Kurzstrecken. Denn das Fahrzeug sei meist ein »Stehzeug«, merkte der Referent ironisch an. Es gebe kein zurück mehr, denn die Grenzwerte des schädlichen Treibhausgases CO2 könnten nur durch E-Mobilität gesenkt werden. »Es ist eindeutig der Antrieb der Zukunft, und das Reichweitenproblem wird bald gelöst sein.« Dass es momentan an geeigneten E-Autos mangele, werde durch die von Herstellern angekündigte Modelloffensive in sehr naher Zukunft ausgeglichen.